6. Platz bei der EM – der lange Weg ins Finale

Anfahrt nach Koblenz

14.08.2015: Jens und ich fahren gegen 9:30 Uhr in Eimsbüttel los. Unser Zielort ist Koblenz – Austragungsort der 19. Skat-EM. Unsere Zwischenstationen sind Altona, Rade, Dormagen und Bonn. Am REWE in Altona sammeln wir eine Mitfahrerin ein, die zu ihrer Mutter nach Dormagen möchte; bei Rade steigt eine zweite Frau zu, die nach Bonn möchte.

Wir haben Glück und es ist wenig Verkehr auf der A1. Staufrei erreichen wir die jeweiligen Zielorte. Nach gut sechs Stunden ist Koblenz erreicht.

Uwe Moldenhauer („Molly“) hat für die Skattruppe und Anhang eine Hausetage im Gästehaus Koblenz gemietet, welches unsere Unterkunft für die nächsten neun Tage sein wird. Nach der Ankunft heißt es zunächst das Zimmer beziehen, Leute wiedertreffen und kennen lernen und bei einem kühlen Bier den Nachmittag ausklingen lassen.

Neben „Molly“ sind bereits dessen Frau Renate, Tochter Daniela und die Skatspieler Werner, Achim, Danilo, Sven B., Sven S. und Volker vor Ort. Zu späterer Stunde treffen dann noch Philipp Moldenhauer und dessen Freundin ein. Molly hat für uns eine klasse Unterkunft organisiert, die genügend Platz bietet und für Gruppen von 10-14 Leuten sehr zu empfehlen ist – vielen Dank, Molly!

EM geht los – die ersten drei Serien

15.08.2015: Anlaufpunkt bis einschließlich kommenden Samstag ist die Rhein-Mosel-Halle, die vom Gästehaus Koblenz in etwa 10 Minuten erreichbar ist.

rh-halle

Quelle: http://www.koblenz-kongress.de/rhein-mosel-halle.html

In der Halle haben sich bereits um 9 Uhr viele Skatspieler eingefunden. Ob Kinback, van Stegen, Engler oder Seferovic – die Creme de la Creme des Skatsports ist vor Ort und heiß auf einen Platz im Finale der besten 16. Dafür müssen allerdings 15 Serien gespielt werden. Die Startkarten werden ausgeteilt und es kann bald losgehen:

startkarte

17.XXX werden fürs Finale reichen, wobei nicht klar ist, welche Zahl beim ersten „X“ nötig ist.

saal

Nachdem ISPA World Präsident Rainer Grunert einige Grußworte an die Skatspieler gerichtet hat und die Fahnenträger unterschiedlicher Nationen eingelaufen sind, ist die 19. Skat-Europameisterschaft offziell eröffnet.

Mein Ziel ist zunächst ein solider Start ins Turnier. Ein 1.000er Schnitt soll es schon sein in den Serien 1-3. Mit 11:3 bei 1.008 Punkten (Platz 161) fast eine Punktlandung, nach der ich mich aber im Niemandsland wieder finde. Es wird gleich klar, dass meine teilweise aggressive Spielweise nicht immer erfolgsversprechend ist.

Eines meiner interessantesten Spiele der ersten Serie geht leider verloren:

pik-hand-mit-zweien

Ich will mir mit diesem ausbaufähigen Blatt in VH keinen Kreuz angucken und reize Pik-Hand (Ja… – zu riskant). Meine Hoffnung liegt in diesem Fall darin, dass beide Pik-Vollen beim Kreuz-Reizer sitzen und ich dementsprechend mit meinen Buben dort fleißig Punkte einsammeln kann. Nun führt MH jedoch mit dem Pik-Ass nur einen Trumpf, was mir nach dem zweiten Trumpfzug mit einem schwarzen Bauern bewusst wird. Im späteren Verlauf zeigt sich, dass der Herz-Bauer im Stock liegt. Das Spiel ist tatsächlich gewinnbar, da neben dem Buben auch die Pik-10 schläft. HH selbst führt nur drei Trümpfe und die Herzen stehen 2-2.

Kartenverteilung und Spielverlauf findet ihr auch hier: Zum Pik-Hand mit Vieren

Von dem verlorenen Spiel lasse ich mich aber nicht unterkriegen – es werden wieder erfolgreichere Spiele folgen.

Die zweite Serie sorgt anschließend dafür, dass ich gut 100 Plätze aufhole. Bei 14:1 stehen 1.344 zu Buche (Nach zwei Serien: 2.352 mit 25-4).

Zum Ausklang des ersten Turniertages hoffe dann in Serie 3 an die ordentlichen Ergebnisse anzuknüpfen. Mit 13:0 gelingt dies auch und ich schaffe noch einmal über 1.300 (Nach drei Serien: 3.703 mit 38-4).

So kann und soll es weitergehen…

Schnitt halten nach dem guten Auftakt

16.08.2015

In Serie 4 am Sonntag fällt es mir nicht schwer das teilweise sehr gute Material für viele weitere Punkte zu nutzen. Links von mir sitzt eine Frau, bei der ich schon in den ersten Spielen beobachte, dass sie ungenau spielt und immer wieder falsche Entscheidungen trifft. Auf Platz 3 ist ein Spieler, der für sich das Turnier schon abgeschrieben hat. Platz 4 bleibt während der ganzen Serie ein ruhiger Vertreter. Das Schöne am Tisch: Es ist eine angenehme Stimmung. Nachdem ich bei Spiel 18 schon 1.000 Punkte auf der Uhr habe, wird gefragt wie ich denn im Turnier stehe. „Ganz gut“ ist meine Antwort, ein paar gewonnene benötige ich aber noch um meinen Schnitt zu verbessern. Die drei am Tisch gönnen es mir.

Alle drei spielen eher defensiv und zurückhaltend. Ein interessantes Spiel erhalte ich etwa zur Hälfte der Serie, als ich mit den drei Alten in VH auf folgendes Blatt schaue:

grand-mit-dreien-pik-lang

Hinterhand sagt mir 48, die ich halte. Die Aufnahme des Skats ist eher ernüchternd, immerhin habe ich für den Grand ein Zwei-Farben-Blatt. Nach dem Bubenabzug in Stich 1, gehe ich mit Pik-9 vom Stich, worauf Kreuz-Ass in den Pik-König geladen wird. Die Spielerin links zieht anschließend sofort Pik-Ass nach und schiebt mich mit Pik-8 rein. Vor dem Einschub überlege ich kurz, ob ich sie womöglich hängen lasse. Aber nein, jetzt Karo klären und dann mal schauen. Karo sitzt 2-2. Gegen bessere Spieler hätte ich womöglich verloren, da diese nach dem Pik-König die Farbe wechseln und mein Blatt einfach zu schwach ist, um damit zu gewinnen. Ich nehme aber die 146 Punkte erfreut entgegen.

Am Ende spiele ich 16-1 mit 1.453 Punkten und rücke damit vorläufig unter die Top30 (Nach vier Serien: 5.156 mit 54-5).

In Serie 5 habe ich dann Herbert Lingg am Tisch, der sich später für das Finale qualifizieren wird. Ich kenne ihn schon vom Online-Skat, da er wie ich bei Skatspielen angemeldet ist. Herbert spielt einen richtig guten Skat und vor allem im Gegenspiel stimmt es bei uns.

Im zweiten Drittel der Serie hat der Spieler links von mir (Alleinspieler) im Endspiel noch Trumpf und zwei Pik-Luschen als letzte drei Karten. Herbert hat frühzeitig im Spiel den Pik-König entsorgt, ich wiederum stehe längere Zeit auf der Pik-10. Der AS hat bereits im ersten Stich meinen Pik-Aufschlag mit dem Ass mitgenommen.

Nun bin ich am Ausspiel und führe noch Herz-Dame, Pik-Zehn und Karolusche. Da wir erst 38 Punkte haben, überlegte ich ob das Spiel überhaupt noch zu biegen ist. Herz hat der AS nicht, ich möchte aber auch nicht, dass Herbert mit Herz ans Spiel kommt. Ich spiele dennoch die Dame aus, der AS entsorgt einen Pik und Herbert legt glücklicherweise NICHT die Herz10, sondern bleibt mit einem kleinen Herz drunter. Somit bin ich weiter am Stich, ziehe Pik10 nach und wir haben 61, da Herbert dann dort seine Herz-Zehn unterbringt.

Im Verlauf der Serie habe ich 2-3 schwierige Spiele und bekomme ein Spiel geschenkt, weil der Mann links von mir wütend nach Stich 8 seine Karten hinwirft und sich über die Spielweise seines Mitspielers echauffiert. Mit 12:0 und 1.270 kann ich erneut eine gute Serie verbuchen steigeauf Platz 13. (Nach fünf Serien: 6.426; 66-5).

So langsam wird es unheimlich, besonders deshalb, weil ich so wenige Spiele verloren habe. Viele richtige Entscheidungen im Alleinspiel, oft funktioniert das Gegenspiel auch ganz gut und ein bißchen Mithilfe kommt mir zu Pass. Jetzt noch eine 1.000 spielen und den 2. Spieltag gut abschließen.

Leider kommt es oft nicht so wie erhofft – die Karte in Serie 6 läuft schlecht. Mit 8:3 ist kein Blumentopf zu gewinnen. Am Ende kann ich froh sein, dass es nicht 6:5 ausgeht, denn zwei schwache Spiele werden mir im letzten Block noch geschenkt. Mund abwischen, weitermachen…

Mit 7.019 (72-8) nach 6 Serien bin ich dennoch zufrieden. Jetzt reicht mir aber ein 1.000er-Schnitt nicht mehr; ich schiele auf einen Platz unter den Top50!

Da am Montag der erste Ruhetag ansteht, fließen abends einige Biere und wir spielen zu sechst noch einen Preisskat. Ein Grillfest rundet den Abend ab und zufrieden geht’s ins Bett.

17.08.2015

Endlich mal nicht um 7 Uhr aufstehen! Die Veteranen Achim und Werner sind dennoch bereits seit 6 Uhr auf den Beinen. Ich aktualisiere am späten Vormittag die Vereinslisten der Rebellen und surfe etwas im Internet. Nachmittags schauen Sven und ich James Bond – Falling Skies auf dem Notebook. Werner meint, dass das alles „Scheiße sei“. Viel mehr passiert an dem Tag nicht mehr…

Schwache Serie kompensieren

18.08.2015

Die 7. Serie steht auf dem Programm. Ich erwische einen guten Start in den Skat-Tag, bei dem ich an Platz 2 beginne und fast 1.500 Punkte mache. Mit folgendem Blatt will ich mir keinen Null angucken und sagte in MH 24.

grand-mh

Die Aufnahme mit Karo-Dame und Herz9 ist nicht so prickeld, ich werde aber freundlicherweise im ersten Stich mit dem Pikbuben beim Grand eingespielt. Herz9 raus und das Herz-Ass steht rechts blank, zudem gibt der Spieler links von mir in den Herz gleich den König rein. Der Rest ist nicht erwähnenswert, da der Grand mit zwanzig gelegten Punkten gewonnen wird. Durchatmen und zum nächsten Spiel.  Nach sieben Serien mache ich einige Plätze gut und stehe nun bei 8.509 (88-9).

In der achten Serie sitzt Dominique Deurer links von mir, einer der ganz großen Spieler unserer Zunft. Vor der Serie sind wir etwa gleich auf. In einem MH-Spiel fordere ich das Glück heraus und halte 27, obwohl folgende Handkarte sicherlich kein fertiger Grand ist (Findung Pik-Ass, Karo-Dame):

grand-mit-deurer

Da VH auf 27 von mir passt, lege ich zwei Karos zum Grand. Das Karo-Ass, was ich mit Karo-Bauer festhalte wird im ersten Stich überstochen und in das darauf folgende Herz-Ass (von Dominique ausgespielt) Karo10 geladen. Ich gewinne das Spiel vor allem deshalb, weil Kreuz10 in VH blank sitzt. Hier die Kartenverteilung

Am Ende des Serie steht ein weiterer 1.000er auf dem Ergebniszettel und ich bleibe mit 9.684 (101-10) unter den ersten 30 platziert.

In der neunten und damit letzten Serie des Tages hoffe ich, dass mich nicht das selbe Schicksal wie zwei Tage vorher ereilt. Eine glatte 1.000 würde ich schon nehmen.

Auch diesmal klappt es jedoch nicht. Mit 533 (7-3) verliere ich einige Plätze und finde mich somit um Platz 40 wieder. Nach drei Turniertagen stehen 10.217 (108-13)
zu Buche.

Rote Köpfe nach der Rheintour

19.08.2015

Die ISPA bietet an diesem Mittwoch eine Schiffstour über den Rhein an. Ziel ist die Loreley und bei bestem Wetter genießen die Skatspieler malerische Aussichten.

vor-rundfahrt-aussicht

rhein-aussicht

schloss

Während der Fahrt habe nicht nur ich die Sonne unterschätzt und somit verlassen viele von uns mit hochrotem Kopf das Schiff. Nach einer Weinverkostung im Weinkontor Schwaab geht es ins Dubrovnik für eine Stärkung. Ein entspannter Tag im schönen Koblenz geht zu Ende und so langsam biegen wir auf die Zielgerade der EM ein.

Mit Molly Junior in Serie 10

20.08.2015

Es war schon vor dem Donnerstag klar, dass Philip und ich in der 10. Serie gemeinsam am Tisch sitzen werden. Mein Credo lautet „Konzentriert und zuversichtlich weiterspielen“. Bei folgendem Blatt führt Philip fünf Gegentrumpf. Mit 13 gelegten und dem Durchlauf der Asse rettete ich mich aber über 60.

pik-gegen-philip

Ich verliere zwei Spiele, fahre dennoch über 1.200 Punkte ein (Gesamt nach 10 Serien: 11.443 (121-15)).

In den Serien 11+12 kommen zusammen noch einmal über 2.200 Punkte zusammen und ich habe schließlich vor dem letzten Spieltag (Gesamt nach 12 Serien: 13.672 (143-19)). Mit Platz 28 bin ich sehr zufrieden.

Vielleicht sind ja noch einige Plätze nach oben möglich…?

Die letzten drei Serien der EM?

21.08.2015:

Mit der 13. Serie wird nach Position im Gesamtklassement gesetzt. Ich finde mich an Tisch 4, Platz 4 wieder. Drei starke Gegner sitzen am Tisch wie sich im Verlauf der Spiele herausstellt. Ich glaube es gibt überhaupt keine schwachen oder vermeintlichen schwachen Tische mehr.

serie-13-liste

Im Allein- und Gegenspiel werden wenig Fehler gemacht. Mit ansprechenden Karten und einer Reihe von guten Spielen verbessere ich mich um einige Plätze und mache sogar einen Tisch gut. Nach der 13. Serie: 14.737 (155-20)

Am nächsten Tisch sitzt Klaus Nitschke neben mir, der scheußliche Karten bekommt. Für ihn wird es nichts mehr mit dem Finale. Ich wiederum kann mich nicht beschweren und gewinne gleich zu Beginn folgenden Kreuz in MH, bei dem ich 7 Augen gedrückt habe (Korrektur: statt Herz-König führe ich Herz-Dame):

viertrumpfer-kreuz

Hier beschreibe ich den Spielverlauf des Viertrümpfer

Mit über 1.400 Spielpunkten mache ich einen ordentlichen Satz nach vorne und finde mich vor der letzten Serie der Quali-Runde auf Platz 14 wieder! Gesamt: 16.169 (169-22)

Klaus Nitschke wünscht mir noch viel Glück und in der letzten Serie der Quali-Runde habe ich es dann mit Ari Burgers, Bernd Zink und Frank Dreyer zu tun. Zink erhält von mir zwei dicke Grand-Hands in den ersten drei Blöcken. Bereits nach der Hälfte der Serie ist klar, dass sein Finalticket schon ausgestellt ist. Frank Dreyer bekommt kaum Kartenmaterial und müht sich überhaupt Punkte zu machen. Ari Burgers und ich haben die eher kniffligen Spiele. Ich mühe mich in den ersten beiden Blöcken mit zwei 5-Trümpfern, die ich mit 61 und 64 gewinne. So richtig komme ich nicht ins Rollen. Ari Burgers macht zwischendurch eine Reihe von Spielen und es sieht gut für ihn aus.

Bis zum letzten Block stehe ich bei etwa 880 Punkten. 17.000 glatt reichen aber nicht für einen Finaleinzug. Ich bekomme im vorletzten Spiel einen guten Herz, den ich locker gewinne. Im letzten Spiel schaue ich dann auf folgende Karte:

pik-schwarzFindung war Kreuzlusche und Herz-Dame. In MH spielte ich damit Pik, gewinne schwarz und darf mich über 1.097 und 10-0 freuen. Reichen diese knapp 1.100 aber, um tatsächlich einen Platz im Finale bekommen zu haben? Bernd und Ari sind sich sicher, dass 17.269 reichen müssen. Etwa eine Stunde später werden dann im Spielsaal die Top16 verkündet und tatsächlich erhalte ich von Rainer Grunert eine Einladung für das Finale der besten 16:

einladung-finaleDie Freude ist riesig bei diesem stark besetzten Feld das Finale erreicht zu haben. Am Samstag stehen noch einmal 5 Serien mit Topspielern auf dem Programm.

Kein Druck im Finale

22.08.2015:

Um 7:30 Uhr beginnt das Finale der EM mit einem gemeinsamen Frühstück. Die meisten haben sich bereits vorher im Rheinsaal eingefunden.

finale-buffet

Rainer Grunert bittet vor dem offiziellen Spielbeginn darum, dass sich alle einmal kurz vorstellen. So bringe ich natürlich auch die Hamburger Skatrebellen in aller Munde.  Um 7:45 Uhr werden dann die ersten Karten ausgeteilt. Die erste Serie des Tages verläuft unspektakulär nüchtern für mich. Ich habe wenige kleine Spiele, von denen ich zwei Nulls und ein Farbspiel verliere. Ich beende deutlich als letzter diesen Tisch.

In der zweiten Serie spiele ich dann mit Erwin Kröhle, Daniel Schäfer und Herbert Lingg. In der ersten Serienhälfte macht Erwin eine Reihe von Gewinnspielen und Daniel müht sich mit teuren Spielen Anschluss zu halten. Herbert und ich machen jeweils nur zwei oder drei Spiele. Da Daniel zwei Spiele verliert, ist er nach 24 Spielen abgeschlagen. In der zweiten Hälfte gewinne ich dann einen Grand ohne 4, bei dem ich Glück habe, dass Erwin eine blank Pik-10 hatte (Hier ein Beitrag zu dem Spiel).

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Anschließend bekomme ich ein Pik ohne 4 geschenkt, bei dem es Erwin verpasst im vorletzten Stich meine Trumpf-10 mit seinem Bauern abzuholen. Die Serie gewinne ich somit etwas glücklich und habe nach zwei Serien also 5 Tischpunkte. In der dritten Serie sitzen dann neben mir Bernd Apenburg, Matthias Wasilke und Eddy Seferovic am Tisch.

Ohne Angst vor großen Namen reize ich meine Ansätze, werde manchmal belohnt, verliere aber auch einige Spiele. Oft sind meine Spiele in die eine oder andere Richtung teuer. Mit einem etwas glücklicheren Händchen sind am Ende sicher 1 oder 2 Punkte mehr drin. Wie dem auch sei, nach vielen interessanten Spielen muss ich mich mit zwei weiteren Tischpunkten zufrieden geben. Der Titel war damit nicht mehr möglich.

In der vierten Serie sitze ich dann mit Thomas Filla, Roland Bünten und Friedrich Knapp zusammen. Auch dort halte ich an meinem offensivem Spielstil fest, werde auch immer wieder belohnt. Einen schwachen 6-Trümpfer gewinne ich deshalb, weil Roland im Laufe des Spiels unter seinem Karo-Ass aufspielt und ich somit meine blank gestellte Karo-10 heimbringe.

Leider wird der letzte Block bei uns gestrichen, weshalb ich zum Schluss nicht mehr die Chance habe ggf. noch an Friedrich oder Roland vorbeizukommen. Somit hole ich auch an diesem Tisch nur 2 Tischpunkte.

Die letzte Serie findet dann noch einen versöhnlichen Abschluss, die ich mit Martin Findeisen (späterer Vizemeister), Thomas Born und Jürgen Steiner spiele. Zwischen Martin und mir ist es lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Vor dem letzten Spiel liege ich ca. 80 Punkte vorne und Martin macht sich noch Hoffnungen auf den Titel. Für 23 bekommt er das Spiel, hat aber zu schlechte Karten, um sein Herz-Spiel zu gewinnen. Mit letztlich 13 Tischpunkten bin ich insgesamt zufrieden und fand mich im oberen Mittelfeld wieder.

endtabelleIm Anschluss an das Finale fahre ich zur Unterkunft. Duschen, umziehen und für den Galaabend bereit machen…

Der Galaabend:

Rund um die Galaveranstaltung gibt es ein Rahmenprogramm, bei dem ein älterer Herr durch den Abend führt. Den meisten Anwesenden ist anzusehen, dass sie durch die Anekdoten des Herrn gelangweilt sind. Wer will schon lange Geschichten über Koblenz, dessen Geschichte und Tradition hören? Zumindest an diesem Abend ist das einfach zu viel. Highlight ist der Auftritt einer Tanztruppe, die mit Akrobatik und Hebefiguren den Saal für sich gewinnt.

Zwischendurch gibt es immer wieder Siegerehrungen für Jugendliche, Damen, Senioren, Mannschaften und Nationen. Am Ende dann die Siegerehrung im Einzelwettbewerb, wo ich auch auf die Bühne darf…

top16

top3

tischbild

buffet1

umschlag

Resume:

10 Tage Koblenz, 20 Serien Skat a 48 Spiele und ein 6. Platz. Für mich war Koblenz nicht nur ein erfolgreiches Turnier – mir hat es auch Spaß gemacht in einer größeren Gruppe an diesen Meisterschaften teilzunehmen. Die Skatgruppe rund um Molly war heiß auf Skat und hat im Laufe des Turniers richtig Team-Spirit entwickelt. Daher möchte ich mich an dieser Stelle für die freundliche Aufnahme in der Gemeinschaft und die Unterstützung während des Turniers bedanken.

Wenn es mich mal wieder überkommt an einem Mehrtages-Turnier teilzunehmen und Molly organisiert, schließe ich mich gerne erneut an!!!

Doch nicht nur vor Ort wurde ich kräftig unterstützt. Meine Skatkollegen aus Hamburg haben mich fast täglich über WhatsApp heiß gemacht und mitgefiebert – geile Sache Jungs!!!
Und dann sind da noch die „virtuellen Kontakte“ aus dem 32Karten-Forum – allen voran Helmut, die mir „Gute Blätter“ aus der Ferne wünschten. Andre (Blackmancity) habe ich in Koblenz live kennen lernen dürfen und falls ich mal bei ihm auf der Ecke bin, frage ich an, ob wir uns nicht zu einer Serie treffen wollen.

Die ISPA hat ein gut organisiertes Turnier auf die Beine gestellt. Die Abläufe waren klar terminiert und es gab kaum Verzögerungen. Rainer Grunert und Thomas Munzert haben gut durch das Turnier geführt. Was den Galaabend angeht, kann ich kein Vergleichsereignis gegenüber stellen. Für mich war die Gala ok, wobei ich nach der Vorankündigung diverser Spieler mehr erwartet hatte. Alles in allem schien es so, dass viele Teilnehmer enttäuscht waren. Die ISPA sollte dies ernst nehmen und sich für die Zukunft selber besser absichern. Wenn man nach der Veranstaltung auf einem DIN-A4-Zettel verschiedene Dinge hätte bewerten können, wären für die ISPA sicherlich interessante Ergebnisse herausgekommen, die für eine konstruktive Analyse der Veranstaltung zweckdientlich gewesen wären. So hat die ISPA wahrscheinlich mündlich Feedback erhalten, weiß aber nicht wie aussagekräftig dies ist.

Eigentlich wurde in Koblenz mit 600 Spielern kalkuliert (zumindest in der Ausschreibung), mitgemacht haben aber nicht einmal 400 Spieler. Je weniger Spieler es sind, desto uninteressanter wird die Veranstaltung. Für viele Skatspieler ist das Pflichtpaket mit 250 Euro (ohne Startgeld) schon ziemlich teuer und die Frage muss erlaubt sein, welche Gala-Kosten wirklich nötig sind und ob es nicht gelingen kann den Galaabend samt Show zu einer Veranstaltung zu machen, die sich in der Szene positiv rumspricht. Ob im Nachgang positiv über die EM gesprochen wird weiß ich nicht – Ernüchterung habe ich bei vielen Teilnehmern vernommen.
Für mich war es ein tolles Ereignis!

2 Responses to 6. Platz bei der EM – der lange Weg ins Finale

  1. Ralph Schräder sagt:

    Spannender Bericht und interessant geschrieben. Als WM Spieler in Las Vegas kann ich einiges nachvollziehen. Auch das Treffen der Spieler, die man sonst nur online kennt

    Danke. Man sieht sich am Tisch

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